CCC CH

Was ist der „Chaos Computer Club Schweiz?“

Bisher wurde in den verschiedenen Chaostreffs (lokale Gruppen im Sinne des CCC) in der Schweiz wesentlich lokal beschränkt agiert; gemeinsame und schweizweite Anliegen wie Vernehmlassungen mit IT- und Netzbezug konnten nur ungenügend in Angriff genommen werden oder mussten vom Chaos Computer Club Zürich (CCCZH), der eigentlich für regionale Anliegen zuständig ist, bearbeitet werden.

Deshalb soll der Zusammenschluss zum Chaos Computer Club Schweiz die gemeinsamen Kräfte bündeln, um auch gesamtgesellschaftliche Probleme wie Vorratsdatenspeicherung, Zensur und Kontrolle im Netz oder andere wichtige Bürgerrechtsfragen im digitalen Raum anzugehen. Zudem sollen andere interessierte Personen, die Presse sowie weitere Gruppen der schweizerischen Zivilgesellschaft einen Ansprechpartner in der alternativen IT-Szene erhalten. So kann auch das positive Anliegen der Hacker in der Öffentlichkeit besser vertreten werden.

Der CCC Schweiz soll aber die Arbeit in den lokalen Gruppen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. In den Chaostreffs soll auch weiterhin der kreativ-kritische Umgang mit Technologien direkt gelebt und diskutiert werden.

Die Bestrebungen, einen CCC-CH zu gründen, gibt es schon seit langem - in konkreter Form seit etwa 18 Monaten. In dieser Zeit wurden Statuten erarbeitet und die Grundlage für eine gemeinsame Arbeit geschaffen.

Gegen Ende der 1980er Jahren gab es bereits eine Gruppierung, die sich als CCC Schweiz verstanden hat, doch hat sich diese nie formal gegründet und war öffentlich nicht weiter aktiv. Der CCC Zürich als Verein besteht seit dem Jahr 2005, im Raum Basel treffen sich Interessierte im Chaostreff seit etwa dem Jahr 2000. In jüngerer Zeit sind auch Chaostreffs in Bern (Ostermundigen) oder St. Gallen entstanden.

Welches sind die wichtigsten politischen Projekte, für die sich der Chaos Computer Club Schweiz einsetzt (oder eingesetzt hat)?

Die politische Arbeit des CCC Schweiz wird durch zwei Maximen geleitet werden: Informationsfreiheit und informationelle Selbstbestimmung - oder wie es Wau Holland der Hackerethik hinzufügte: „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.“

Unter diesen Punkten lassen sich die wichtigen Aufgaben der nächsten Zeit einordnen:

Im Bereich der Informationsfreiheit geht es zum Beispiel um die Forderung nach Transparenz der öffentlichen Verwaltung (im Sinne der „maschinenlesbaren Regierung“) und um Zensur und Kontrolle im Netz. Wir fordern grundsätzlich, dass das Internet ein von der Wirtschaft und dem Staat unbehelligter/unkontrollierter/unüberwachter Raum sein soll, in dem weder Überwachung noch Eigentumsansprüche (Patente, ACTA) den ungehinderten Zugang zu Informationen beschränken. Wir verlangen von den Netzbetreibern auch die Einhaltung der Netzneutralität, die ein gleiches Internet für alle garantiert und in der es keine Mehrklassengesellschaft der Benutzer gibt.

Im Sinne der informationellen Selbstbestimmung wehren wir uns dagegen, dass immer mehr Daten auf Vorrat gespeichert werden oder sogar aktiv zusätzliche Instrumente zur (inhaltlichen) Überwachung der Bevölkerung (ohne klaren Tatverdacht) zum Einsatz kommen - etwa in Form eines „Trojaner Federal“ (in Deutschland: Bundestrojaner) oder ähnlicher Spähsoftware. In praktischer Hinsicht fördern wir ebenfalls den Einsatz von Kryptographie als Mittel zur digitalen Selbstverteidigung und arbeiten dafür mit Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, eng zusammen.

Zu den grösseren Projekten, in denen Personen der Schweizer Hackerszene zusammengearbeitet haben und die nach aussen auch bekannt geworden sind, gehören:

  • das Projekt „Biometrische Ausweise,“ in dem auf Gefahren in der Einführung biometrischer Ausweise hingewiesen wurde.
  • das Projekt „Postcard-Sicherheit,“ wo auf damalige Sicherheitslücken der Schweizer Debitkarte „Postcard“ der PostFinance hingewiesen wurde.
  • die Teilnahme an der Vernehmlassung zur VÜPF, die der die Durchführung der Überwachung von Post- und Fernmeldeverkehr in der Schweiz neu gefasst wurde.

Aktuell arbeiten wir zusammen mit der Digitalen Gesellschaft Schweiz am Thema „Vorratsdatenspeicherung“ und versuchen die Leute zu motivieren, bei ihren Handy- und Netzprovidern Einsicht in die über sie gespeicherten Daten zu verlangen.

Wer kann Mitglied im „Chaos Computer Club Schweiz“ werden?

Mitglied kann jeder Chaostreff, Verein oder Gesellschaft in der Schweiz werden, die sich den Zielen und Idealen des Chaos Computer Clubs Schweiz verpflichtet fühlt und sich für digitale Bürgerrechte und Spass am Gerät einsetzen will. Es genügt ein einfacher Mitgliedsantrag an den Vorstand.

Mitgliedschaften von einzelnen Personen sind nicht vorgesehen. Suche und finde Mitstreiter in deiner Umgebung und schliesst euch zu einem Chaostreff zusammen.